Teenie-Hacker drohen 10 Jahre Haft

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Eigentlich gehört Kanada zu den Musterknaben in Sachen Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte. Wann immer irgendwelche diesbezüglichen Rankings erstellt werden, findet sich Kanada in der Spitzengruppe – und das sicher auch mit Recht. Umso erstaunlicher ist der Fall, von dem hier die Rede sein soll. Einem Teenager drohen bis zu zehn Jahren Haft, weil er Dokumente von einem Regierungsserver heruntergeladen hat, die ausdrücklich zum Download freigegeben waren. 


Mann steht hinter Gittern im Gefängnis und steckt Hand durch das Gitter

Teenager droht Haft, weil er Dokumente, die öffentlich zugängig waren runtergeladen hat. (kittirat roekburi / shutterstock.com)

Geheime Dateien lagen auf öffentlichem Server

Wie auch in Deutschland gibt es in Kanada ein Informationsfreiheitsgesetz. Grob gesprochen besagt dieses, dass Bürger Einsicht in alle Dokumente der Regierung und der Verwaltung verlangen können, solange keine besonderen Geheimhaltungsgründe im Einzelfall dagegen sprechen. In der kanadischen Provinz Neuschottland wird zu diesem Zweck eigens ein öffentlicher Server betrieben, auf dem die frei verfügbaren Dokumente zum Download angeboten werden. Weil die Dokumente durchnummeriert sind, können sie mit einem einfachen Programm der Reihe nach automatisch heruntergeladen werden. Genau das hat der Teenager getan, dem nun viel Ärger droht.

Regierung hat falsche Dokumente freigegeben

Der Regierung der Provinz ist ein peinlicher Fehler unterlaufen. Sie hat nämlich 250 nicht frei zugängliche Dokumente versehentlich ebenfalls auf diesen Server kopiert. Angeblich handelt es sich um nicht anonymisierte Daten über Bürger, die von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, Einsicht in die über sie gespeicherten Daten zu erhalten. Diese Daten waren natürlich nur für die jeweiligen Antragsteller bestimmt, sind aber ebenfalls auf dem öffentlichen Server gelandet. Deswegen hat der Teenager auch diese Dateien unabsichtlich heruntergeladen, weswegen ihm nun eine Anklage wegen „Computer-Missbrauchs“ droht.

Nicht einmal eine Sperre für Suchmaschinen war eingerichtet

Die geheimen Dokumente waren nicht nur ungeschützt, sondern auch über Google und andere Suchmaschinen auffindbar. Betreiber von Websites können Dateien mit einem Vermerk versehen, dass Suchmaschinen diese ignorieren sollen. So gehen beispielsweise einige Betreiber von Internetforen vor, die nicht möchten, dass die einzelnen Einträge der User über Suchmaschinen auffindbar sind. Die fraglichen Dokumente enthielten keine solche Sperre, weswegen sie sogar über den Google-Cache aufrufbar waren, in dem Google Dokumente zwischenspeichert und archiviert.

Fast schon ein Anti-Terror-Einsatz

Glaubt man den Schilderungen der Familie des Beschuldigten, so ist „unverhältnismäßig“ noch eine sehr wohlwollende Beschreibung des Polizeieinsatzes. Die Polizei rückte mit 15 Mann zur Hausdurchsuchung an, beschlagnahmte alle Rechner und Smartphones der Familie und nahm auch die Eltern und minderjährigen Geschwister des Beschuldigten fest. Auch die Kinder wurden stundenlangen Verhören ohne Rechtsbeistand unterzogen. Ein Bruder wurde sogar auf dem Schulweg auf offener Straße verhaftet.

Alles ein bisschen schwer zu verstehen

Soweit das, was bisher über den Fall veröffentlicht wurde. Danach drängt sich der Eindruck auf, dass die Behörden von ihrem Fehler ablenken wollen, indem sie reichlich absurde Vorwürfe gegen einen Unschuldigen erheben. Wenn dem so ist, darf man getrost auf die kanadische Justiz vertrauen – die Gerichte werden dem Spuk ein schnelles Ende bereiten. Aber leider wird nicht klar, worauf sich der Vorwurf des Computer-Missbrauchs eigentlich stützt. Soweit der Fall nachvollziehbar ist, waren die Dokumente zwar frei zugänglich, aber nicht im Inhaltsverzeichnis des Servers verlinkt. Der Teenager hat sie nur gefunden, weil er die Verzeichnisstruktur des Servers durchschaut hat und per selbst geschriebenem Programm den ganzen Verzeichnisbaum heruntergeladen hat. Das stellt sicher nicht die beabsichtigte Form der Nutzung des Servers dar, aber man kann kaum glauben, dass es strafbar sein soll. Aber irgendetwas scheint an der bisher veröffentlichten Geschichte noch zu fehlen. Kanada ist einfach kein Land, in dem die Polizei mit einem Großaufgebot über offensichtlich unschuldige Bürger herfällt. Unklar ist auch, wieso ein Teenager riesige Mengen langweiliger Verwaltungsakten herunterlädt, die ansonsten kaum jemanden interessieren.

In Deutschland existiert das Problem nicht

In Deutschland kann sich ein ähnlicher Fall übrigens nicht zutragen. Das Ausspähen von Daten ist in §202 StGB geregelt und setzt ausdrücklich voraus, dass die Daten „besonders gesichert“ sind und unter „unter Überwindung der Zugangssperre“ gestohlen werden.

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